tee selber mischen

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Kleine Kräuterkunde #1 Tees selbst sammeln, trocknen und mischen

Kleine Kräuterkunde #1 Tees selbst sammeln, trocknen und mischen

Anleitung zum Kräutersammeln. Wir finden viele Tipps zu selbst gemachten Tees im Netz. Hier eine kurze, sinnvolle Zusammenfassung, wie du die richtigen Pflanzen findest, erntest, trocknest und dann zu wirksamen Mischungen verarbeitest.

Wo finde ich Teekräuter?

(Aus Gründen des Arten- und Pflanzenschutzes nur kleine Mengen pflücken. Achtung, es gibt Jahre, in denen die eine oder andere Pflanze durch das Artenschutzgesetz unter Sammelverbot steht. Das gilt für Mengen bis 1-2kg. 2018 waren es zum Beispiel wegen der langen Hitzeperiode im Sommer die meisten Pilze. )

Klein- und Großstädter dürfen sich freuen. Auch wenn das Stadtbild dicht besiedelt scheint, kann man entweder einen kleinen Teegarten selbst anpflanzen oder man begibt sich an den Stadtrand, an Fahrradwege, Parks und Spielplätze, um fündig zu werden. Lustigerweise findet man auch an sehr viel befahrenen Straßen und Autobahnen einige Kräuter. Allerdings versteht sich von selbst, dass diese stark mit Abgasen und verlorenem Öl belastet sind. Normale Felder laden ebenfalls zum Sammeln ein. Aber du solltest Bescheid wissen, wer anbaut: Biobauern düngen ökologisch. Wenn die etwas spritzen, ist es kein Gift sondern unbedenkliche Pflanzenjauche. An diesen Feldrändern findest zu zum Beispiel viel Brennnessel, Schafgarbe, Goldrute, Rotklee, Johanniskraut, Birken usw.

Hast du in deiner Nähe einen Fluss, kleinen Bach oder See? Dann geh doch einmal in der Nähe des Wassers spazieren. Dort findest du zum Beispiel Baldrian und Holunder. An ruhigen Bahngleisen findet man Brombeerhecken, Hopfen und vieles mehr.

wildkräuter erkennen wildkräutertee

Wie erkenne ich Kräuter?

Bildung ist alles. Sobald du beginnst, dich mit Heilpflanzen zu beschäftigen, werden deine Augen die Natur neu wahrnehmen. Du wirst überall um dich herum Heilpflanzen entdecken, die bisher nur in die Kategorie “Grünzeugs” fielen. Zur Pflanzenbestimmung lohnt es sich, einen guten Pflanzenratgeber zu besorgen. Ich empfehle gerne den einfach verständlichen Heilkräuterführer (Ursula Stumpf) oder den etwas fachlicher beschriebenen Heilpflanzenführer (Ingrid und Peter Schönfelder), beide erschienen im Kosmos Verlag.

Wann ist die beste Zeit, Kräuter zu sammeln?

Im Frühjahr treibt vieles aus. Junge Triebe von Pflanzen (z.B. Birkenblätter, Brennnesseln) sind zu bevorzugen, da sie noch nicht verhärtet sind und weniger Bitterstoffe gebildet haben.
Weißdornblüten, Holunderblüten oder Lindenblüten haben ein kleines Blühzeitfenster, welches durch zu warme Witterung früher eintreten und enden kann, als es dir die Pflanzenratgeber empfehlen. Deshalb Augen offenhalten! Und bitte nicht alles abgrasen. Nach der Blüte kommt die Frucht und die versorgt unsere lieben Vögel.
Bis in den Herbst hinein wirst du jede Woche wunderbare neue Blumen, Kräuter und Blätter entdecken bzw. wenn du etwas gräbst, findest du spannende Wurzeln!
Da im Sommer einige Kräuter zur Samenausbildung ihre Kraft in die Blüte stecken, schmecken sie nicht mehr so intensiv.

Folgende Kräuter sollte deshalb vor der Blüte geerntet und getrocknet werden:

Basilikum
Majoran
Melissenblätter
Löwenzahnkraut
Pfefferminze
Salbei
Thymian

Zur Blütezeit sammelt man diese Pflanzen:

Frauenmantelkraut
Goldrutenkraut mit Blüten
Hirtentäschelkraut
Hibiskus
Holunderblüten
Hopenzapfen
Johannisbeerblätter (auch kurz nach der Blüte noch)
Johanniskraut
Kamille
Königskerzen
Kornblumenblüten
Lavendel
Mädesüßkraut
Malve
Nachtkerzen
Ringelblumen
Rosenblüten
Rosmarinblätter
Primelblüten (Schlüsselblumenblüten)
Schafgarbe
Stiefmütterchenkraut mit Blüten
Taubnesselblüten
Weißdornblätter mit Blüten

Nach der Blüte sammelt man vor allem Früchte, Rinden und Wurzeln:

Baldrianwurzeln
Beinwellwurzeln
Anisfrüchte
Fenchelfrüchte
Flohsamen
Korianderfrüchte
Kümmelfrüchte
Hagebutten
Primelwurzel

Die meisten anderen Teepflanzen findest du bis in den Herbst hinein und erntest immer wieder die frischen Triebe:

Birkenblätter
Brennnessel
Brombeerblätter
Eibischstrauch
Erdbeerblätter
Himbeerblätter
Malve
Schachtelhalm
Spitzwegerich

 

Welche Pflanzenteile sammelt man?

Wie in der Auflistung beschrieben: Z.B. Schafgarbenkraut: die ganze, oberirdische Pflanze, ohne verhärtete Teile am Boden. Oder Baldrianwurzeln: Man gräbt nach der Blüte am Wurzelstock und trennt ein paar Wurzeln zum Trocknen ab.

Wie trockne ich meine Kräutersammlung?

Trocken - das hört sich erst mal einfach an.
Grundsätzlich gilt: Blätter und Blüten im warmen Schatten trocknen, Rinden und Wurzeln in der Sonne.
Viellicht hast du dir eine 3m lange Ranke an Hopfenzapfen mitgenommen. Bevor du sie zum Trocknen ausbreitest, solltest du die Blüten (bei anderen Pflanzen die Blätter) abstreifen. So vermeidest du dass sich die Wirkstoffe in den Stengel / Zweig zurück ziehen.
Du kannst auch kleine, lockere Sträuße binden und sie kopfüber zum Trocknen aufhängen. Am besten an einem warmen, sonnengeschützten Ort. Da ich jedoch immer wieder Schimmelsporen entdeckt habe, trockne ich vor allem, indem ich die Pflanzen dünn auf einem Gitter ausbreite. Nach 1 Woche binde ich dann Sträuße und hänge sie kopfüber auf.
Geeignet sind auch Netztaschen, wie diese hier von The Zero Waste Maker. In diesen Beuteln sammle und trockne ich am liebsten zarte Blüten.

Egal, welche Methode für dich die Beste ist: Durchlüftung der trocknenden Pflanzen muss von allen Seiten möglich sein. Manche Blüten sind allerdings nicht einfach zu trocknen. Sie ziehen Feuchtigkeit aus der Luft an, so wie ein knackiger Butterkeks, der nach einem Tag an der Luft, zu einem schlaffen Dings wird. Diese Blüten kann man dann 20 min bei 40-50 Grad in den Ofen legen, klein hobeln und anschließend in ein luftdichtes Gefäß geben. Vor Verwendung trotzdem genau überprüfen, ob sich nicht ein kleiner grüner Schimmel-Himmel über die Blütendrogen hergemacht hat.

 
Kamelienblüten. Die benutze ich für Naturkosmetik, z.B. Haarpuder, Seifen oder die Handbutter. Im Ofen bei 50 Grad Celsius oder direkt in der Sonne trocknen.

Kamelienblüten. Die benutze ich für Naturkosmetik, z.B. Haarpuder, Seifen oder die Handbutter. Im Ofen bei 50 Grad Celsius oder direkt in der Sonne trocknen.

 

Wie lagere ich selbstgetrockneten Tee?

Nach der Trockenzeit (3 - max. 14 Tage) kannst du den Tee unzerkleinert in Gefäße geben. Denke daran, Datum und Namen zu notieren. Manchen Teesorten wirst du dabei etwas zerkleinern müssen, damit sie in den Behälter passen. Dazu eignen sich Kräuterhobel. Bitte nicht pulverisieren. Vor allem Kräuter mit ätherischen Ölen (Pfefferminze, Melisse, Salbei, etc. ) verlieren sonst die flüchtigen Inhaltsstoffe schon innerhalb von 2 Wochen. Zur Lagerung des Tees kommen klassische Teedosen gut zum Einsatz. Am besten lichtgeschützt und aus Glas oder Metall.
Manche Tees lagere ich nach dem Trocknen in ganzen Bündeln und breche erst Blättchen ab, wenn ich einen Tee aufgieße. Z.B. Pfefferminze oder Lavendelsträußchen. Das sieht hübsch aus und verströmt ein herrliches Aroma im Haus.

Wie wirken Tees?

Die Tees wirken durch ihre teilweise sehr hohe Konzentration von Wirkstoffen. (Mineralien, Fette, Proteine, Flavonoide, Glycoside, Bitter- und Gerbstoffe, usw…). Tees sollen vor allem den Genesungsprozess unterstützen, sie helfen bei Erkältungsbeschwerden, Bauchschmerzen, Frauenleiden und vielen anderen Problemen. Mehr zur Wirkung kommt aber noch: ein wachsendes Herbarium, zu Kräutern, die man im Stadtgebiet findet, gibt es sehr bald direkt hier auf der Stadtfarm Webseite. Im Moment ist es sowie noch trüb draußen, aber ich hoffe, schon einmal zu inspirieren!

Teemischung herstellen

Wie stelle ich eine gute Teemischung zusammen?

Es gibt unglaublich viele tolle Teekräuter, am liebsten würde man sich ein Allheilmittelchen aufgießen, das bei allem wirkt. Da die Wirkung der Teedrogen jedoch stark von der Dosierung abhängt, ist das keine schlaue Idee.

Ein Tee besteht aus Wirkdrogen, Ergänzungsdrogen, Hilfsdrogen, Schmuckdrogen und Stabilisierungsdrogen.
Du möchtest dir z.B. einen Tee gegen Halsschmerzen zusammenstellen. Du schaust dir zuerst an, welche Pflanzen aus deiner Sammlung dafür indiziert sind. Dies sind die Wirkdrogen. Der Anteil der Wirkdrogen sollte in deiner Teemischung 70% sein. Dann kannst du noch 30% andere Kräuter hinzufügen, die die Wirkung unterstützen, den Geschmack verbessern oder einfach nur das Aussehen, die sogenannten Schmuckdrogen.
Eine gute, klassische Teemischung besteht aus 4 - 7 einzelnen Drogen. Je mehr, desto dünner die Wirkstoffkonzentration.

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Wie brühe ich einen Tee auf?

Grundsätzlich gilt: auf eine Tasse mit 200ml kommen 1.5 - 2 Teelöffel zerkleinerter, trockener Tee.
Die Teemischung im Sieb oder Zellstofftütchen ins Gefäß geben und mit siedendem Wasser aufbrühen. Weshalb muss das Wasser kochen? Tees sind Naturprodukte. Sie sind nicht steril. Es befinden sich auf ihnen - wie überall in unserem Umfeld - Keime und Bakterien. Nur wenn ein Tee mit kochendem Wasser aufgegossen und mindestens 8-15 Minuten zieht, werden die Keime abgetötet.

Gibt es Unverträglichkeiten?

Ja! zum Beispiel Allergene. Normalerweise weiß man, gegen welche Pflanze man allergisch ist. Typisch ist eine Allergie gegen Korbblütler.
Einige Teesorten sollten während der Schwangerschaft vermieden werden, wie Süßholzwurzel, Liebstöckel, Salbei und Rosmarin. Sie können den Embryo schädigen oder zu Kontraktionen führen. Fenchel und Anis sowie die neue Trendpflanze “Holy Basil” enthalten Estragol. Wurde bei Tieren als schädlich getestet und wird daher nicht mehr in großen Mengen in Kinder (“Bäuchlein”-) Tees verabreicht. Allerdings gilt hier auch: die Dauer und Menge der Einnahme macht den Unterschied. Wer unter aktuen Blähungen und Bauschschmerzen und Völlegefühl leidet, wird durch Anis oder Fencheltees eine wunderbar, unterstützende Wirkung spüren. Genauso wissen wir, dass übermäßiger und langzeitiger Konsum von Zucker, Alkohol usw. dem Körper schadet. Die Menge und Dauer macht’s!

Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel einen Anstoß zum Selberpflücken und Selberteemischen geben konnte. Ab und zu biete ich Kräuter- und Teeworkshops im actionhouse Heidelberg an. Siehe letzter Blogeintrag.

Für Fragen bin ich immer auf Instagram zu erreichen. Oder lass mir ein Kommentar da. Genießt den Tee, solange er noch warm ist. Cheers!

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Tee und Heilkräuter Workshop

Auch in diesem Herbst wurden viele Kräuter unserer Stadtfarm in winterliche Tees verwandelt. Hier ein paar Bilder vom letzten Workshop. Viele Blüten gehen langsam zu Ende und es ärgert mich, dass ich nicht regelmäßig und mehr geerntet habe. Aber so blieben die Teilnehmer kreativ und mischten z.b. getrocknete Cranberries statt Lavendel in den Abendtee. 

Es duftete köstlich, die Teefrüchte (Fenchel, Anis, Kümmel usw.) werden vor der Einarbeitung in den Tee mit dem Granitmörser angestoßen. So gelangen die wohltuenden, ätherischen Öle besser in den Tee. 

Noch mal die kleine Info: Fenchel, Anis enthalten Estragol. Das gilt als krebserregend, daher sollte man Anis und auch Fencheltees nie über einen längeren Zeitraum zu sich nehmen. Vor allem in Kindertees sieht man mittlerweile von Fenchel ab.

Bisschen gruselig, wenn man bedenkt, dass ich mein halbes Leben lang Fencheltee geschlürft habe. Nun ja. Ich lebe noch, wollte es aber bemerkt haben. 

Bitte denk dran: Kräuterwissen kann unterstützend eingesetzt werden und erspart nicht den Weg zum Arzt. Gott sei Dank sind die Ärzte in Deutschland und Europa der Phytotherapie sehr verbunden - das ist in den USA z.B. leider noch ganz anders. 

Mehr zum Thema gibt es übrigens in dieser äußerst interessanten Dokumentation (leider nur über einen begrenzten Zeitraum verfügbar). Ich werde i . neuen Jahr aber einiges mehr zum Thema Pflanzenwirkstoffe teilen über den #stadtfarmblog .